Logo

Die Kirchengemeinde öffnet sich für Flüchtlinge

Im Sommer des vergangenen Jahres hörte ich auf einer öffentlichen Gemeindevertretersitzung in Lehnitz aufgeregte und ablehnende Stimmen über den angekündigten Einzug von 220 asylsuchenden Menschen in zwei ehemalige Lehnitzer Kasernengebäude. Wenn ich mittwochs zur Bläserübungsstunde in die Stadt fuhr, traf ich dort häufig auf eine Vielzahl von Polizeiautos. Sie waren aufgefahren, weil ein paar hundert Bürgerinnen und Bürger mit ihrem „Abendspaziergang“ Ängste und Vorurteile gegenüber den Fremden in Lehnitz schüren wollten. Aber zugleich erlebe ich vor Ort, dass
immer wieder neue Menschen aus unserer Stadt und ihren umliegenden Orten zu den Informationsabenden
der Arbeitsgemeinschaft „Willkommen in Lehnitz“ erscheinen. Sie wollen aus christlicher Nächstenliebe und humaner
Solidarität mit verschiedenen Ideen und Vorschlägen helfen, dass Fremde nach Bürgerkrieg, Verfolgung und Flucht hier bei uns willkommen sind und sich zurechtfinden können. So lädt einmal im Monat auch die Kirchengemeinde von Lehnitz in ihr Gemeindehaus zu einem Begegnungsnachmittag ein.
Flüchtlinge aus Syrien und Albanien, aus Eritrea, Senegal und Kamerun waren den Einladungen bisher gefolgt. Kurden und Palästinenser waren unter ihnen, Schüler und Studenten, Kaufleute und Informatiker. Sie alle sind auf unterschiedlich-dramatischen Wegen nach Deutschland gekommen. An mehreren Kaffeetischen gibt es dabei jeweils ein lebendiges Erzählen und gegenseitiges Befragen in englischer, französischer und arabischer Sprache. Unter den hilfsbereiten Gastgebern finden sich an allen Tischen immer wieder freundliche Sprachvermittler. Mit El Abbas aus Eden, einem früheren palästinensischen Zuwanderer aus dem Libanon, fanden wir sogar einen freundlichen Dolmetscher für die arabischen Dialoge.
Immer häufiger werden die Gastgeber aber auch daran erinnert, deutsch mit den Fremden zu sprechen, da sie alle zur Zeit in intensiven Unterrichtseinheiten unsere Sprache erlernen. Das Theologenehepaar Katharina Kristinova und Christian Reich aus Lehnitz erteilt inzwischen für die Frauen unter den Asylbewerbern zusätzlichen Deutschunterricht. Wir hören von unseren Gästen bewegende Fluchtgeschichten, besprechen ihre Alltagsprobleme und tauschen für persönliche Begegnungen in Lehnitzer Wohnzimmern Adressen und Handy-Nummern aus.
Im Gemeindehaus trifft sich auf Einladung der finnischen Geigerin Pauliina Quandt-Marttila (Birkenwerder) wöchentlich auch eine Kind-Elterngruppe. In ihr können sich unsere Kinder durch die musikalische Betätigung mit einfachen
Schlagwerkinstrumenten mit Kindern aus anderen Ländern bekannt machen. Außerdem kommt eine Strickgruppe zum gemeinsamen Handarbeiten ins Gemeindehaus.

Wer aus der Gemeinde gerne einmal an dieser persönlichen Kommunikation mit den Flüchtlingen teilnehmen möchte, ist dazu jederzeit herzlich eingeladen. Der nächsten Begegnungsnachmittag im Lehnitzer Gemeindehaus (Florastr.
35) findet statt am 27.7.2015 um 15.00 Uhr.


Im April waren drei Asylsuchende aus Kamerun zum Gemeindehaus gekommen, um mit Lehnitzer Gemeindegliedern
am Frühjahrssputz auf dem Gelände teilzunehmen. Wir hören von unseren katholischen Glaubensgeschwistern in der Stadt, dass auch sie monatlich einmal die Lehnitzer Asybewerber in ihren Gemeinderaum zu einer ökumenischen
Begegnung einladen.

Christen und Nichtchristen in Oranienburg können sicher nicht die bedrängenden gesetzlichen Probleme von Asyl, Aufenthaltsgenehmigungen und deren Missbrauchsversuche lösen. Wir können aber vor Ort durch unsere persönlichen Begegnungen mit den Flüchtlingen Toleranz und Menschlichkeit praktizieren. Damit werden manche Vorurteile
und Ängste der „Abendspaziergänger“ und unsere eigenen Besorgnisse überwunden.

Spenden für die Flüchtlinge

Unsere Gemeinde möchte Aktivitäten und Unterstützung für die Flüchtlinge in Lehnitz und Oranienburg anbieten. Neben der Einbeziehung der Flüchtlinge in bestehende Angebote der Gemeinde sind gemeinsame Ausflüge, Kochabende oder Berlinfahrten geplant. Dazu brauchen wir verstärkt finanzielle Mittel. Schon einige Euro könnten z.B. den Eintritt in den Tierpark Germendorf für eine Familie oder eine Fahrkarte nach Berlin ermöglichen. Solche Freizeitangebote sind sehr wichtig und ermöglichen nicht nur den so wichtigen Kontakt zwischen den Flüchtlingen und Oranienburgern, sondern bringen Abwechslung in den Alltag.

Neben Geld wäre es aber auch schön, ein wenig Zeit zu spenden. Besuche zu machen, bei einem Kaffee ein bisschen zu plaudern oder auch bei der Suche nach einer Wohnung zu helfen. Fremdsprachen sind nicht immer nötig, da die
Flüchtlinge sehr gewillt sind, deutsch zu lernen.

Geldspenden an das Konto der Kirchengemeinde (Bankdaten erfahren Sie im Gemeindebüro!)
Stichwort „Arbeit mit Flüchtlingen“.

Wer Interesse an Besuchen hat, kann sich an Saskia Waurich wenden.

 
EKBO
GWBB
 
Besucher seit 12.05.2009:
62.677
Besucher heute:
14
klimaneutral gehostete WebseiteCopyright © 2009 - 2017 Evangelische Kirchengemeinde St. Nicolai - Design & Realisierung »CHICKENONSPEED